Bifaciale Fotovoltaik-Lärmschutzanlage - ein Pionieranlage beim Bahnhof Münsingen

Wie viele Dächer und Fassaden eignen sich grundsätzlich auch Lärmschutzwände für die Gewinnung von Solarstrom. Für die Energiestadt Münsingen war es daher naheliegend zu prüfen, ob in die neuen Lärmschutzwände entlang der SBB-Bahnlinie Fotovoltaikzellen eingebaut werden können. Da die Lärmschutzwände durch Münsingen in Nord-Süd-Richtung verlaufen, konnte jedoch keine herkömmliche Solarstromanlage montiert werden. Eine Machbarkeitsstudie hat gezeigt, dass in jene Abschnitte der Lärmschutzwände, welche aus Glas gebaut werden, so genannte bifaciale Fotovoltaikzellen integriert werden können. Diese sind in zwei Richtungen Licht empfindlich: sie fangen am Morgen das aus Osten und am Nachmittag das aus Westen auftreffende Sonnenlicht ein und wandeln dieses in Strom um. Die Glasoberfläche und somit die lärmdämpfende Wirkung der Lärmschutzwand wird durch die eingeschlossenen Fotovoltaikzellen nicht verändert.

 

Stand der Sonne im Tagesverlauf: Die bifaciale Fotovoltaik-Lärmschutzanlage wird am Morgen aus Osten und am Nachmittag aus Westen von der Sonne beschienen.

 

Die Anlage beim Bahnhof Münsingen (nördlich des Bahnhofs, Richtung Bern) ist weltweit die erste bifaciale Fotovoltaik-Lärmschutzanlage entlang einer Bahnlinie. Vergleichbare Anlagen wurden bisher erst entlang von Autobahnen gebaut. Finanziert wurde die Anlage von der Gemeinde, mit Unterstützung der InfraWerkeMünsingen sowie einem Förderbeitrag für Pilot- und Demonstrationsanlagen des Kantons Bern. Da die SBB im Bereich der Fotovoltaik-Anlage keine herkömmlichen Glas-Lärmschutzelemente einbauen mussten, haben sie der Gemeinde den entsprechenden Beitrag gutgeschrieben.

 
 

Die Anlage hat eine Grösse von rund 115 m2 und weist eine Nennleistung von 7.25 kWp (Frontseite) bzw. 5.6 kWp (Rückseite) auf. Der geschätzte Stromertrag der Anlage beträgt pro Jahr rund 6‘750 kWh. Die Leistung der Anlage ist somit mit einer ähnlich grossen, nach Süden ausgerichteten „herkömmlichen" Solarstromanlage vergleichbar. Allerdings wurde die Packungsdichte der bifacialen Solarzellen nicht auf eine maximale Leistung ausgelegt, denn die Schallschutzwand sollte trotz Fotovoltaikzellen teilweise transparent bleiben. Der produzierte Strom wird durch die InfraWerkeMünsingen, welche den Betrieb der Anlage übernimmt, via Ökostrombörse Münsingen verkauft.

Mit dem Bau der Anlage hat die Energiestadt Münsingen einmal mehr bewiesen, dass sie von der Förderung erneuerbarer Energien nicht nur spricht, sondern ihren Worten auch Taten folgen lässt. Die Pionieranlage beim Bahnhof Münsingen belegt die Machbarkeit bifacialer Fotovoltaik-Schallschutzanlagen entlang von Bahnlinien und weist auf das grosse Potenzial in Nord-Süd-Richtung verlaufender Lärmschutzwände zur Nutzung der Sonnenenergie hin. Durch die Kombination von Schallschutz und Fotovoltaik entsteht eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Weitere Informationen zur Anlage finden Sie hier.

 

Einwohnergemeinde Münsingen, Neue Bahnhofstrasse 4, 3110 Münsingen, 031 724 51 11, praesidiales@muensingen.ch

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